Bei phobischen Störungen besteht eine Angst vor ungefährlichen Dingen oder Situationen. Ca. 15 % der Bevölkerung entwickeln über ihre Lebenspanne hinweg eine solche Erkrankung. Diese beginnt meist im Alter von 15 bis 35 Jahren und betrifft häufiger Frauen.
Agoraphobie
Die zentrale Angst der Betroffenen ist die vor Hilflosigkeit und einem Kontrollverlust. Meist werden in diesem Zusammenhang Orte wie öffentliche Plätze, Menschenmengen, alleine oder weit weg zu Verreisen entweder unter Angst ertragen oder ganz vermieden. Die Angst kann das Ausmaß einer Panikattacke annehmen. In der Verhaltenstherapie wird zunächst das individuelle Angst- und Vermeidungsverhalten analysiert. Mittels gemeinsam geplanter Expositionsübungen, in denen angstauslösende Situationen teils unter therapeutischer Begleitung gezielt aufgesucht werden, können Betroffene lernen die körperlichen Angstsymptome als ungefährlich zu erleben.
Soziale Phobie
Menschen mit einer sozialen Phobie erleben starke Angst in Situationen, in denen sie im Mittelpunkt stehen oder von anderen bewertet werden könnten – etwa beim Sprechen vor Gruppen, beim Essen in der Öffentlichkeit oder im Kontakt mit Fremden. Oft besteht die Befürchtung, sich peinlich zu verhalten, negativ aufzufallen oder abgelehnt zu werden. Diese Ängste können so belastend sein, dass soziale Aktivitäten gemieden werden, was zu Rückzug und Einsamkeit führen kann. In der Verhaltenstherapie lernen Betroffene, ihre angstauslösenden Gedanken zu erkennen, neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln und sich in sozialen Situationen schrittweise wieder als sicher zu erleben.
Spezifische Phobie
Hier richtet sich die Angst auf eine klar umrissene Situation oder ein Objekt– etwa Höhen, bestimmte Tiere wie Hunde, Schlangen und Spinnen, sowie Blut, Spritzen, Zahnbehandlungen, geschlossene Räume oder das Fliegen. Obwohl Betroffene wissen, dass ihre Angst übertrieben ist, erleben sie meist intensive körperliche Reaktionen wie Herzklopfen, Schwindel oder Zittern und vermeiden die angstauslösenden Reize. Dies geht häufig mit Einschränkungen im Alltag einher. Dabei werden zum Beispiel der Zahnarztbesuch aufgeschoben, bis die Schmerzen groß sind oder Urlaubsziele vermieden, bei denen das Flugzeug genutzt werden muss. Die Behandlung in der Verhaltenstherapie setzt gezielt an diesen Vermeidungsmechanismen an. Zentral sind dabei schrittweise Konfrontationsübungen und Abbau von Vermeidungsverhalten um die Angst nachhaltig abzubauen und wieder mehr Freiheit zu gewinnen.
Eine Zusammenfassung der empfohlenen Diagnostik und der Behandlungsansätze finden Sie in der entsprechenden Leitlinie.